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Blick auf Friedrichshafen und den Bahnhof (Foto: DB AG/Dietmar Denger)
Das Management von Personenbahnhöfen ist eine vielseitige und anspruchsvolle Aufgabe. Eine Bahnhofsmanagerin mit Verantwortung für mehr als 100 Stationen im Südwesten der Republik gibt Einblicke in ihren Arbeitsalltag, die Wirkung des Sofortprogramms und aktuelle Veränderungen und Herausforderungen.
Deine Bahn: Nicht selten bist Du als Bahnhofsmanagerin eine bekannte Größe in Deiner Stadt und liegst beim Bürgermeister auf der „Kurzwahltaste“. Wie lange machst Du den Job schon und was hat Dich dazu motiviert?
Andreja Beil: Ich mache den Job seit viereinhalb Jahren. Besonders spannend finde ich es, dass kein Tag wie der andere ist. Mal geht es um Infrastrukturthemen, mal um die Zusammenarbeit mit Städten und Gemeinden oder um die Anliegen unserer Reisenden sowie internen Kunden. Genau diese Vielfalt und die Möglichkeit, gemeinsam Lösungen zu entwickeln, motivieren mich bis heute.
Was sind für Dich die größten Herausforderungen im Alltag?
Ich hatte ja schon von der Vielfalt der Tätigkeiten berichtet. Oft gilt es, die unterschiedlichen Erwartungen zusammenzubringen und gemeinsam Lösungen zu finden. Eine weitere Herausforderung ist, dass ich für 109 Verkehrsstationen und ca. 50 Mitarbeitende verantwortlich bin. Da muss ich den Überblick behalten und Prioritäten setzen.
Wie findest Du den Ansatz des Sofortprogramms und wie kam das vor Ort an?
Ich finde den Ansatz gelungen, weil damit Verbesserungen schnell sichtbar werden. Bei uns vor Ort kam das sehr gut an. Wir konnten beispielsweise die Sauberkeit verbessern, Graffiti entfernen, die Ausstattung aufwerten Maßnahmen zum Thema Sicherheit Präsenz vor Ort erhöhen. Auch von den Kommunen und Bürgermeistern haben wir viel positives Feedback bekommen.
Wie stellst Du sicher, dass die Bahnhöfe sowohl für Reisende als auch für die Region als attraktive und sichere Orte wahrgenommen werden?
Für mich beginnt das bei den Grundlagen: Sicherheit und Sauberkeit sowie eine funktionierende Infrastruktur an den Bahnhöfen, beispielsweise barrierefreie, intuitive Wegeleitung. Mein Ziel ist es, dass sich die Reisenden sicher und willkommen fühlen und die Bahnhöfe als positiven Teil der Region wahrnehmen.
Gibt es Best-Practice-Beispiele aus Deiner Region, die Du anderen Bahnhofsmanagern oder politischen Stakeholdern empfehlen würdest?
Den Frühjahrsputz in Reutlingen im Mai 2026. Wir haben den Termin frühzeitig kommuniziert, was die Stadt zu einem großen Engagement motivierte. Mein Rat daher: frühzeitig miteinander ins Gespräch kommen, regelmäßige Updates geben – und keine überflüssigen Termine.
Welche Maßnahmen ergreifst Du, um den Aufenthalt für unterschiedlichste Kundengruppen – von Pendlern bis Touristen – attraktiv und sicher zu gestalten?
Die Bedürfnisse unserer Reisenden sind sehr unterschiedlich. Pendler*innen wünschen sich vor allem einen zuverlässigen, sauberen und reibungslos funktionierenden Betrieb. Tourist*innen hingegen legen zusätzlich großen Wert auf gute Orientierung, eine hohe Aufenthaltsqualität sowie einen positiven ersten Eindruck.
Deshalb konzentriere ich mich gemeinsam mit meinem Team auf die Grundlagen: saubere Bahnhöfe, funktionierende Ausstattung und ein sicheres Umfeld. Durch regelmäßige Begehungen unserer Verkehrsstationen sowie den Einsatz unserer „Stabe intensiv“ (Stationsbetreuer) und mobiler Reinigungsteams können wir schnell auf Mängel oder Hinweise von Reisenden reagieren.
Andreja Beil (Foto: DB InfraGO AG)
Bahnhöfe sind oft das Gesicht der Deutschen Bahn. Was bedeutet das für Deine tägliche Arbeit und welche Verantwortung spürst Du dabei gegenüber den Reisenden?
Ich beschreibe meine Bahnhöfe gerne als mein Wohnzimmer und versuche dies auch meinen Mitarbeitenden näher zu bringen: Schaut euch um, wie würdet ihr euch fühlen, was würdet ihr ändern? Nur gemeinsam schaffen wir es, wenn wir mit offenen Augen die Bahnhöfe begehen. „Meine“ Bahnhöfe sind ein wichtiger Teil des öffentlichen Raums und prägen das Bild einer Stadt bzw. einer Region. Daher ist mir wichtig, gemeinsam mit meinem Team und unseren Partnern dafür zu sorgen, dass dieser Eindruck positiv ist und bleibt.
Hast Du einen konkreten Wunsch an die Politik?
Aus meiner täglichen Arbeit heraus wünsche ich mir von der Politik, dass Investitionen in die Bahnhofs- und Verkehrsinfrastruktur verlässlich und langfristig abgesichert werden. Nur so können wir Qualität, Sicherheit und Attraktivität für unsere Reisenden nachhaltig gewährleisten.
Bahnhöfe sind 24/7 in Betrieb. Was passiert hinter den Kulissen, damit Reisende morgens einen funktionierenden und gepflegten Bahnhof vorfinden?
Für Reinigung, Instandhaltung und Sicherheitskontrollen haben wir klare, eingespielte Abläufe – viele davon laufen früh morgens oder auch nachts. Störungen und Mängel erfassen wir kontinuierlich und beheben sie so schnell wie möglich. Entscheidend ist dabei die enge Zusammenarbeit mit Dienstleistern, internen Teams und Partnern. Am Ende greift ein Zahnrad ins nächste – nur so stellen wir sicher, dass das System als Ganzes zuverlässig funktioniert.
Stress ist der Standardzustand vieler Kund*innen. Mit welchen architektonischen oder menschlichen „Tricks“ versuchst Du, den Puls der Reisenden aktiv zu senken?
Architektonisch spielt vor allem die Orientierung eine große Rolle: klare Wegeführung, gute Beschilderung, gute Beleuchtung und ein insgesamt aufgeräumtes und gepflegtes Erscheinungsbild. Auf der menschlichen Seite ist es vor allem der Service in Präsenz. Wenn ein Ansprechpartner sichtbar ist und Fragen schnell geklärt werden können, entsteht automatisch Ruhe. Am Ende geht es darum, den Menschen das Gefühl zu geben: Ich bin hier gut aufgehoben.
Was hat sich für Dich als erfahrene Bahnhofsmanagerin in den letzten zwei Dekaden maßgeblich an den Bahnhöfen verändert?
Ein großer Wandel ist für mich die deutlich stärkere Ausrichtung auf das Kundenerlebnis und die Aufenthaltsqualität – die Reisenden sollen sich am Bahnhof wohlfühlen. Gleichzeitig ist die Komplexität unserer Arbeit spürbar gestiegen: Wir müssen uns mit deutlich mehr Partnern abstimmen, und die Erwartungen an Sicherheit, Sauberkeit, Digitalisierung und Qualität sind heute viel höher und stehen stärker im öffentlichen Fokus.
Hinzu kommt, dass das Image der Deutschen Bahn gelitten hat – das spüren wir sowohl im Berufsalltag als auch privat. Umso wichtiger ist es, mit konkreten Beispielen zu zeigen, dass es auch gut funktionieren kann: Bei der Südbahnsperrung etwa ist der Schienenersatzverkehr entgegen vielen Erwartungen sehr gut angelaufen – genau solche positiven Entwicklungen müssen wir sichtbarer machen.
Welche Herausforderungen müssen Bahnhöfe der Zukunft meistern und auf welche Entwicklungen müssen wir uns einstellen?
Ich sehe vor allem drei große Herausforderungen: steigende Erwartungen der Reisenden, eine zunehmende betriebliche Komplexität und das Thema Nachhaltigkeit.
Reisende erwarten heute eine schnelle Orientierung, verlässliche und aktuelle Informationen sowie ein Umfeld, in dem sie sich sicher und gut aufgehoben fühlen. Gleichzeitig wird das Zusammenspiel der vielen beteiligten Akteure und unterschiedlichen Verkehrsträger immer anspruchsvoller.
Darüber hinaus kommt, dass wir notwendige Maßnahmen aus der Vergangenheit – etwa bei Empfangsgebäuden und Infrastruktur – gezielt aufarbeiten müssen. Parallel steigen die Anforderungen an Digitalisierung und nachhaltige Lösungen deutlich.
Diese Themen gleichzeitig voranzubringen, wird entscheidend für die Weiterentwicklung unserer Bahnhöfe sein.
Mehr Verantwortung in der Region – spielt dieses Los Dir in die Hände und eröffnet neue Spielräume für Dich?
Ja definitiv. Dadurch entstehen Spielräume, weil man Dinge schneller anstoßen kann und pragmatischer Lösungen finden kann. Ich merke im Alltag, dass der direkte Austausch Themen aktiv gestalten lässt und sie nicht nur zu verwalten.
Wenn Du einen Wunsch für die Zukunft der Bahnhöfe hättest, dann…
Dass sie als attraktive, sichere und lebendige Orte wahrgenommen werden. Sie sind die Eintrittspforte in jede Stadt.
Gibt es noch etwas, was Du als Botschaft zum Schluss gerne loswerden möchtest?
Am Ende geht es darum, Bahnhöfe als Orte zu gestalten, die funktionieren und gleichzeitig ein gutes Gefühl vermitteln. Dafür müssen wir uns noch stärker vernetzen, pragmatisch handeln und Schritt für Schritt besser werden. Mein Ziel ist, dass unsere Bahnhöfe auch in Zukunft Orte bleiben, an denen man gerne ankommt und sich gut aufgehoben fühlt.
Und wenn ich das in einem Satz zusammenfassen müsste: Mit Herz, System und Verstand gestalten wir die Bahnhöfe von morgen.