Grundlagenwissen System Bahn (1)

Bahnhof und freie Strecke

Die neue Serie startet mit dem Thema „Bahnhof und freie Strecke“ und soll das Systemverständnis im Eisenbahnwesen stärken.

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Quelle: Marcel JelittoQuelle: Marcel Jelitto

Der Bahn-Fachverlag startet eine neue Serie, um das Systemverständnis im Eisenbahnwesen zu stärken. In den kommenden Ausgaben werden ausgewählte Themen des Eisenbahnsystems kompakt und übersichtlich auf jeweils einer Seite dargestellt. Ergänzend werden die Inhalte durch anschauliche Visualisierungen unterstützt, die Zusammenhänge und Schnittstellen zwischen Infrastruktur, Betrieb und Fahrzeugen hervorheben. Ziel der Serie ist es, komplexe Sachverhalte verständlich aufzubereiten und ein ganzheitliches Verständnis des Systems Eisenbahn zu fördern.

Kurzer Rückblick – Historie

Mit der Entstehung und Weiterentwicklung der Eisenbahn in Deutschland entstanden aufgrund unterschiedlicher betrieblicher Zwecke zwei Bereiche: der Bahnhof als Ort, an dem rangiert wird und die Zugfahrten beginnen bzw. enden und die freie Strecke, die die Bahnhöfe verbindet und sicherstellt, dass die Züge sicher zwischen den Betriebsstellen verkehren, indem Folge- und Gegenfahrten verhindert werden. Mit steigenden Anforderungen hinsichtlich Geschwindigkeiten, Auslastung und vielfältigen Fahrtmöglichkeiten kamen zusätzliche technische Einrichtungen hinzu, welche die Sicherheit im Bahnbetrieb gewährleisten. Dadurch verschärfte sich die Unterscheidung noch weiter.

Auch in anderen europäischen Ländern wie der Schweiz gibt es diese Unterscheidung, auch wenn dort betriebliche Abläufe anders geregelt sind.

Technische Komponenten

Im Bahnhof verkehren die Zugfahrten auf Hauptgleisen und werden technisch durch Fahrstraßen gesichert. Diese können je nach Bahnhof und eingesetzter Technik nur festgelegt werden, wenn die zugehörigen Weichen, Riegel und Flankenschutzeinrichtungen auf Freisein geprüft und richtig gestellt sind. Diese Feststellungen wurden früher meist durch Hinsehen der Mitarbeitenden vor Ort getroffen. Durch die Entwicklung der Gleisfreimeldeanlage, die das Fahren in besetzte Abschnitte technisch verhindert, kann heutzutage überwiegend auf eine Vorortbesetzung verzichtet werden.

Auf der freien Strecke wurden die Zugfahrten früher meist nur durch die Zugmeldung und deren Nachweis vor Beginn der Zugfahrt gesichert. Jene Regelung war jedoch noch nicht auf einem ausreichend hohen Sicherheitsniveau, was die Entwicklung des Streckenblocks notwendig machte. Dieser wurde mit der Zeit weiterentwickelt was die weitestgehende Automatisierung der Blocksignale und den damit einhergehenden Wegfall von besetzten Blockstellen nach sich zog.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Im §4 der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung wird der Bahnhof als Bahnanlage mit mindestens einer Weiche beschrieben, in der Züge beginnen, enden, ausweichen oder wenden dürfen. Um diesen zur freien Strecke abzugrenzen, wurden im Allgemeinen die Einfahrsignale oder Trapeztafeln, sonst die Einfahrweichen festgelegt. Diese rechtliche Definition bildet die Grundlage für die Unterscheidung zwischen Bahnhof und freier Strecke.

Betriebliche Zusammenhänge

Aufgrund der vielfältigen Fahrmöglichkeiten ist der Betrieb im Bahnhof besonders komplex und erfordert ein hohes Maß an Sicherung. Die verschiedenen Fahrtmöglichkeiten machen zudem temporäre Geschwindigkeitsreduktionen erforderlich. Sie gelten im anschließenden Weichenbereich und werden dem Triebfahrzeugführenden durch Hauptsignale und Geschwindigkeitsanzeiger angezeigt.

Die freie Strecke befindet sich zwischen den Bahnhöfen. Züge verkehren dort in der Regel auf dem rechten Gleis, dem sogenannten Regelgleis. Wenn es der Betrieb erfordert, können Zugfahrten auch das linke, sogenannte Gegengleis befahren. Dies ist meist im Störungsfall oder bei Bauarbeiten notwendig, kann jedoch auf modernen Strecken mit ständig eingerichtetem Gleiswechselbetrieb auch gezielt zur Beschleunigung des Betriebsablaufs eingesetzt werden. Die Zugfahrten folgen im Abstand der Blockstellen in Blockabschnitten aufeinander, wobei sich in jedem Blockabschnitt stets nur ein Zug befinden darf. Weichen existieren hier nur auf besonderen Betriebsstellen wie der Überleit-, Abzweig-, Anschluss- und Ausweichanschlussstelle. Dadurch lassen sich höhere Geschwindigkeiten realisieren, da keine Konflikte durch kreuzende Zugfahrten oder verkehrende Rangierfahrten entstehen.

Fazit

Die Unterscheidung zwischen dem Durchführen von Zugfahrten im Bahnhof und auf der freien Strecke ist historisch und betrieblich gewachsen. Während der Bahnhof durch hohe Komplexität und vielfältige Fahrmöglichkeiten geprägt ist, steht auf der freien Strecke die schnelle und leistungsfähige Zugfolge im Vordergrund. Beide Bereiche ergänzen sich und bilden gemeinsam die Grundlage für einen sicheren und effizienten Eisenbahnbetrieb.

Die Serie Grundlagenwissen System Bahn wird von unseren Redaktionsmitgliedern Sylke Schmidt und Marcel Jelitto gestaltet und kuratiert. Das Ziel ist es, zentrale Inhalte des Bahnsystems allgemein verständlich – visuell und sprachlich – darzustellen. Sie haben einen Themenvorschlag für die Serie oder möchten selbst einen Text dafür verfassen? Dann melden Sie sich gerne per Mail an redaktion@deine-bahn.de – wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung!

Deine Bahn 10/2026

Dieser Artikel stammt aus

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