Deine Bahn 05/2016
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Editorial 05/2016
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
auf dem Fernverkehrsmarkt ist es ungemütlich geworden. Busunternehmen und Fluggesellschaften locken mit Dauer-Niedrigpreisen, komfortabler Buchung und zahlreichen Serviceversprechen. Die Bahn ist in diesem Wettbewerb schon aufgrund der unterschiedlichen Rahmenbedingungen der Verkehrsträger nicht in der besten Startposition. An anderen Stellschrauben können die Bahnunternehmen, im Rahmen ihrer Verfasstheit und der betrieblichen Voraussetzungen, selbst drehen.
Die Deutsche Bahn als Hauptanbieter ist entschlossen, ihre Marktposition zu behaupten. Die Verantwortlichen haben Nachholbedarf in Sachen Reise- und Angebotsqualität erkannt und eine Reihe von Vorhaben aufgesetzt, die im Fernverkehrskonzept 2030 und dem Programm „Zukunft Bahn“ gebündelt sind. Im Leitartikel stellen Birgit Bohle, Vorsitzende, und Produktionsvorstand Dieter Zöll von der DB Fernverkehr AG die Eckpfeiler der Angebots- und Kundenoffensive vor, die vom Fuhrpark über das Preissystem und den Bordservice bis hin zur Veränderung der Unternehmenskultur reichen.
In diese Veränderungen reiht sich die Inbetriebnahme der neuen ICE4-Generation als Flaggschiff des Hochgeschwindigkeitsverkehrs ebenso ein wie die Einführung der doppelstöckigen IC2-Züge, die in den kommenden Jahren zahlreiche neue Fernverkehrsverbindungen zwischen den großen Städten bedienen werden. Über die deutsche Grenze hinaus wollen DB und SNCF mit der Fortführung der deutsch-französischen Kooperation „Alleo“ attraktive Alternativen zum Flugzeug für Geschäftsreisende und Touristen bieten, die es nach Paris oder an die Côte d‘Azur zieht.
Außerdem in dieser Ausgabe: ein Beitrag zu Trends und Perspektiven bei mobilen Fahrgast-Anwendungen und ein Bericht zu den Ergebnissen einer Studie zur Digitalisierung im Bahnsektor.
Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen dieser und anderer Themen.
DB Fernverkehr – im Wettbewerb gewinnen
Die Strategie des Fernverkehrs steht: Durch die Kunden- und Angebotsoffensive wird das Angebot bis 2030 konsequent ausgebaut. Zwischen den Metropolen sollen künftig 150 zusätzliche ICE-Fahrten pro Tag angeboten werden. Es ist geplant, nahezu alle Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern im Zwei-Stunden-Takt mit dem IC an den Fernverkehr anzuschließen. 190 neue Direktverbindungen aus der Fläche in die größten 50 Städte Deutschlands sollen entstehen – damit schafft der Fernverkehr ein konkurrenzfähiges Angebot zu den Fernbussen, die heute neben dem Preis vor allem mit umsteigefreien Reisen werben.
Neue Ära im deutsch-französischen Hochgeschwindigkeitsverkehr
Mit der Inbetriebnahme des letzten Abschnitts der Neubaustrecke LGV Est zwischen Strasbourg und Paris am 3. Juli diesen Jahres ergeben sich neue und attraktive Angebote im deutsch-französischen Hochgeschwindigkeitsverkehr. Neben Fahrzeitverkürzungen um bis zu 30 Minuten und Frequenzerhöhungen im Direktverkehr nach Paris werden durchgängig buchbare Umsteigeverbindungen nach Südfrankreich und Bordeaux angeboten. Diese Verbesserungen sind Ergebnis der Fortsetzung der Kooperation zwischen DB und SNCF, deren gemeinsame Tochtergesellschaft Alleo GmbH für die Vermarktung des Angebots zuständig ist. Der Beginn dieser neuen Ära des Hochgeschwindigkeitsverkehrs zwischen Deutschland und Frankreich wird von zahlreichen Vermarktungsaktionen mit attraktiven Sonderpreisen begleitet.
Das neue Rückgrat des HGV-Fernverkehrs
Noch in diesem Jahr sollen die neuen Intercity-Express-Züge der Baureihe 412 nach erfolgter Zulassung in den Probebetrieb gehen. In den Fahrzeugen kommen technische Neuerungen zum Einsatz, die unter anderem mehr Energieeffizienz, eine erhöhte Beförderungskapazität und verbesserte digitale Services an Bord ermöglichen.
Der Fernverkehr als hochzuverlässiges Unternehmen
Im Zusammenhang mit der Strategie 2020 bei der DB AG wurde in der DB Fernverkehr AG beschlossen, sich mit dem Thema „Hochzuverlässige Organisation“ auseinanderzusetzen und ein entsprechendes Projekt mit den
Triebfahrzeugführern durchzuführen. Im Kern geht es darum, nahezu fehlerfrei zu agieren und konsistent gute Entscheidungen zu treffen, um stets eine hohe Qualität zu gewährleisten. Das langfristige Ziel ist es, im ganzen Fernverkehr als hochzuverlässige Organisation zu agieren. Der folgende Artikel gibt einen Einblick in die Ideen und Schwerpunkte der hochzuverlässigen Unternehmen sowie in den Entwicklungsprozess des Projekts in der DB Fernverkehr AG bis zum Zeitpunkt der Umsetzung.
Doppelstöckig auch im Fernverkehr
Seit Fahrplanwechsel im Dezember 2015 sind im DB-Fernverkehr auch Doppelstock-Wagen im Einsatz. Mit dem neuen Konzept unter der Bezeichnung „Intercity 2“ wurde ein Generationswechsel auch bei den lokbespannten IC-Zügen eingeleitet. Die ersten der Anfang 2011 bei Bombardier bestellten 27 Zuggarnituren mit Wagen vom Typ „TWINDEXX Vario“ sind nun auf den Linien Norddeich – Oldenburg – Bremen – Hannover – Magdeburg – Leipzig und Koblenz – Köln – Münster – Rheine – Leer – Emden – Norddeich unterwegs. Im Laufe dieses und des nächsten Jahres kommen weitere Relationen dazu.
Potenziale der Digitalisierung im öffentlichen Verkehr
Dank der flächendeckenden Verbreitung digitaler Technologien hat besonders das Konzept Multimodalität enormen Aufschwung erfahren. Apps übernehmen die Reisebegleitung, holen den Fahrgast an der Haustür ab und helfen ihm über unterschiedliche Verkehrsmittel hinweg bis zum Ziel. Aber Digitalisierung bedeutet längst nicht nur, den Kunden mit guten Apps auszustatten – entscheidend ist die Kommunikation aller Beteiligten.
25 Jahre Hochgeschwindigkeitsverkehr in Deutschland
Vor 25 Jahren startete der fahrplanmäßige Hochgeschwindigkeitsverkehr in Deutschland: Am Morgen des 2. Juni 1991 setzte sich der erste InterCityExpress (ICE) von Hamburg-Altona Richtung Frankfurt (Main) in Bewegung. Diesem Ereignis vorrausgegangen war eine Sternfahrt zum neuen Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe, die am 29. Mai 1991 in Verbindung mit den offiziellen Feierlichkeiten stattfand.
Kontrolle von Sicherheitsmanagementsystemen im Personenverkehr
Der europäische Eisenbahnsektor ist in Bewegung. Neben der immer schnelleren Veränderung des Verkehrsmarktes führen insbesondere Neuerungen des regulatorischen Umfelds zu tiefgreifenden Veränderungen aus Sicht der
beteiligten Eisenbahnunternehmen. In diesem Zusammenhang hat das Ziel der Harmonisierung des europäischen Eisenbahnsektors durch eine einheitliche europäische Eisenbahnpolitik die wohl bedeutendsten Auswirkungen (siehe hierzu auch Artikel „Der Weg vom nationalen zum europäischen Eisenbahnrecht“ aus Deine Bahn 10/2015 und 11/2015).