Alles wird 4.0, alles wird digital. Digitalisierung und begriffliche Derivate von „Industrie 4.0“ sind seit einiger Zeit in aller Munde. Doch was bedeuten diese Begriffe für sich genommen und im Zusammenhang mit der Signaltechnik? Welche technologischen oder gar gesellschaftlichen Trends lassen sich daraus ableiten und welche Rückschlüsse sind auf die Weiterentwicklung der Signaltechnik zu ziehen? Oder gelten diese Begriffe nicht für sicherheitskritische Systeme wie die Signaltechnik?
Alle Beiträge von Dr. Michael Leining
Die betriebliche Interoperabilität in Deutschland
Grundidee der Einführung des neuen europäischen Zugsicherungs- und Leitsystems ETCS ist und bleibt, einen signaltechnisch interoperablen Eisenbahnbetrieb in Europa zu ermöglichen. Allen Unkenrufen trotzend hat sich ETCS in den letzten Jahren in vielen europäischen Ländern stark verbreitet. Und sogar außerhalb Europas werden mit ETCS erfolgreich Züge gefahren. Offensichtlich ist der Siegeszug des neuen Systems unaufhaltsam.
Signaltechnik 4.0 – Industrialisierung der Signaltechnik
Verfolgt man die Veröffentlichungen der Automatisierungsbranche, so wird mit dem Schlagwort „Industrie 4.0“ die Hoffnung verbunden, durch vollständige Vernetzung und Integration aller Teilnehmer einer Wertschöpfungskette die Automatisierung und Flexibilität von Produktionssystemen in bislang unbekannte Dimensionen zu führen. Das Ziel sind intelligente Produktionssysteme, die mit Hilfe leistungsfähiger Algorithmen selbstzentrierende Prozesse ermöglichen, um weitgehend ohne menschliche Interaktionen optimale Produktionsabläufe garantieren zu können.
Standardisierung in der Leit- und Sicherungstechnikstechnik
In Deine Bahn 6/2010, Seite 16ff, wurde über das Vorhaben der DB Netz AG berichtet, Schnittstellen in der Leit- und Sicherungstechnik zu standardisieren und zum Zwecke der Spezifikation formale Methoden einzusetzen. Es stellt sich nun die Frage, wie die DB Netz AG auf dem Weg der Standardisierung vorangekommen ist, welche konkreten Ergebnisse und Erkenntnisse vorliegen und – um einen Ausblick zu wagen – was nach der Standardisierung der Schnittstellen kommt.
Herausforderungen gemeinsam begegnen
Die Kundenansprüche im Hinblick auf die Reise- und Transportangebote der Bahn steigen ebenso kontinuierlich wie die Kapazitätsnachfrage an schienengebundenen Verkehr. Dem prognostizierten Nachfragewachstum steht die Finanzlage von Bund und Ländern gegenüber. Diese anspruchsvolle Situation zwingt alle Beteiligten zu einem noch verantwortungsvolleren Umgang mit den limitierten Ressourcen.
System mit dem höchsten Sicherheitsstandard in Europa
ETCS (European Train Control System) ist ein neues Zugsicherungs- und Leitsystem, das die Bahnen und die Signalbauindustrie in den vergangenen 15 Jahren entwickelt haben. Ziel war und ist es, langfristig die Vielzahl der nationalen, untereinander inkompatiblen Systeme abzulösen, die den grenzüberschreitenden Verkehr kompliziert und unnötig teuer machen. Gleichzeitig stellt das System ETCS den höchsten Standard an Sicherheit in Europa dar. So wird ETCS auch in Deutschland die bislang existierenden Systeme Linienzugbeeinflussung (LZB) und Punktförmige Zugbeeinflussung (PZB) langfristig ablösen. Mit diversen Maßnahmen versucht die Europäische Union, das System möglichst schnell in Europa zu etablieren, damit es nicht wieder in der Schublade verschwindet, wie einst der Funkfahrbetrieb (FFB) in Deutschland. Diese Gefahr scheint nun gebannt.