Deine Bahn 03/2008
Sie haben bereits ein Abonnement?
Jetzt einloggen und lesen!
*Erhältlich im Digital Abonnement
Inhalt
Editorial
Ausbildung Prüfung und Beruf
- Sicherheitsmanagementsysteme und gemeinsame Sicherheitsmethoden für Eisenbahnunternehmen
- Sicherheit und Regulierung
- Eine praktische Risikoanalyse zur Sichtbarkeit auf Hauptsignale
- Nachweis des betriebssicheren Zustandes für Eisenbahnbrücken
- Europäische Vereinheitlichung der Zugbeeinflussung
- Migration von ETCS im Netz der Deutschen Bahn
- Sicherheit an Bahnübergängen: eine gemeinschaftliche Aufgabe
- Erfahrung? Ab in den Vorruhestand! Oder gibt es intelligentere Lösungen?
- Qualitätsmanagement als permanente Aufgabe in der betrieblichen Bildung
Blick in die Ausgabe
Editorial 03/2008
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
die Eisenbahn ist eines der sichersten Verkehrsmittel. Dies setzen unsere Kunden – zu Recht – als selbstverständlich voraus. Und obwohl Sicherheit nicht explizit wahrgenommen wird, so ist sie doch ein wesentlicher komparativer Geschäftsvorteil gegenüber den Wettbewerbern im Modal-Split.
Um den hohen Sicherheitsstandard des deutschen Schienenverkehrs zu halten, bedarf es allerdings einer konsequenten Weiterentwicklung in der Technik und insbesondere auch im Bereich der Human Ressources. Zu diesem Thema veranstaltet DB Training, Learning & Consulting jährlich den internationalen Kongress „Sicherheit im Verkehrswesen“, der diesmal am 5. und 6. März 2008 in Fulda stattfindet.
Anlässlich dieser Veranstaltung widmen wir die Märzausgabe von „Deine Bahn“ ganz dem Thema „Sicherheit im Verkehrswesen“. Wir freuen uns, Ihnen Beiträge namhafter Autoren zu präsentieren, die Ihnen aktuelle sicherheitsrelevante Aspekte aus wissenschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Perspektive nahebringen.
Damit erhalten Sie, liebe Leserinnen und Leser, auch wenn Sie nicht beim Kongress anwesend sind, einen Überblick über den aktuellen fachlichen Diskurs. Für die Teilnehmer des Kongresses in Fulda bieten die Beiträge ergänzende und auch zusätzliche Informationen zu den in Vorträgen und Workshops behandelten Themenbereichen.
Aufgrund des großen Interesses an dem Kongress und der Thematik Sicherheit im Verkehrswesen im Allgemeinen haben wir die Druckaufl age etwas erhöht. Falls Sie ein weiteres Exemplar der Märzausgabe für sich oder interessierte Kollegen wünschen, können Sie dieses – so lange der Vorrat reicht – gern bei unserem Leserservice bestellen. Der Preis je Heft beträgt inkl. Versandkosten 5,40 Euro.
Sofern Sie noch nicht zu unseren regelmäßigen Beziehern zählen, bieten wir Ihnen an, Deine Bahn mit einem Probeabonnement zu testen. Sie werden feststellen, dass „Deine Bahn“ Ihnen auch bei anderen interessanten Themen zu einem Know-how-Vorsprung verhelfen kann. Nähere Informationen hierzu finden Sie im Impressum auf Seite 64.
Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen unserer neuesten Ausgabe.
Mit besten Grüßen
Ihr Redaktionsteam Deine Bahn
PS: Schreiben Sie doch einmal Ihre Meinung. Sie erreichen uns unter info@bahn-fachverlag.de oder per Fax unter 06131-2837-37.
Geleitwort Internationaler Kongress „Sicherheit im Verkehrswesen 2008“ von Dr. Lutz Bücken
Absolute Sicherheit kann es nicht geben – nicht im Leben und damit auch nicht im Verkehr. Trotzdem wird dies in unserer Gesellschaft diskutiert und viele beschäftigen sich mit der Sicherheit, suchen nach Wegen, den hohen Sicherheitsstandard im Verkehrsbereich zu halten und zu festigen. Alle Verkehrsbetreiber sind dazu aufgerufen, durch den Gesetzgeber, durch die Rechtsprechung und durch ihr Verantwortungsbewusstsein.
Aber was ist Sicherheit? Sicherheit ist ein Zustand relativer Gefahrenfreiheit. Oder anders gesagt: Sicherheit ist definiert als Zustand, der frei von unvertretbaren oder nichtakzeptierten Risiken ist.
Experten aus dem Verkehrswesen treffen sich nun schon zum vierten Mal in Fulda zum internationalen Kongress „Sicherheit im Verkehrswesen“, um über Wege und Lösungen zu diskutieren, um die unumstritten heute bereits gegebene hohe Sicherheit in den einzelnen Verkehrsbereichen weiter voranzubringen.
Automatisierung ist in diesem Bezug ein Stichwort. Bei der Eisenbahn und auch bei den anderen Verkehrsmitteln hat sich in den letzten Jahrzehnten die Technik erheblich weiterentwickelt. Dies hat zu einer höheren Sicherheit in Verbindung mit einer besseren Wirtschaftlichkeit geführt. Die Entwicklung wird in diese Richtung weitergehen! Die Aufgabe der Spezialisten ist es dabei, die Anforderungen an Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Qualität in Einklang zu bringen und nach neuen Ansatzpunkten zu suchen, wie dies auch in Zukunft gelingen kann.
Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Sicherheit ist das Thema „Human Error“ oder auch menschliches Fehlverhalten. Die Mitarbeiter, die die Technik entwickeln, bedienen oder instand halten, machen bei ihrer Arbeit, wie wir alle, Fehler. Durch die bestehenden Systeme, betrieblichen Regelungen und Kontrollen werden diese Fehler entdeckt und korrigiert, so dass die Sicherheit gewährleistet ist. Gleichzeitig erhöhen Schulungen und regelmäßige Trainings die Handlungssicherheit der Mitarbeiter bei außergewöhnlichen Situationen.
Einen sehr großen Einfluss auf die Sicherheit insgesamt hat die Sicherheitskultur, die wir im Unternehmen pflegen. Und da sind alle, Führungskräfte und operative Mitarbeiter, aufgefordert, ihren Beitrag zu leisten und Vorbild zu sein. Jeder von uns repräsentiert im alltäglichen Geschäft die Sicherheitskultur. Es ist unsere Aufgabe, durch unser Sicherheitsmanagementsystem die Komplexität des Betriebsgeschehens so zu ordnen, dass Mitarbeiter und Führungskräfte die Übersicht behalten. Wir müssen außerdem dafür sorgen, dass das Wissen identifiziert, langjährige Erfahrungen weitergegeben und auf junge und neue Mitarbeiter übertragen werden.
Sie sehen, wir haben uns eine breite Themenpalette für den Internationalen Kongress „Sicherheit im Verkehrswesen 2008“ vorgenommen.
Dr. Lutz Bücken
Deutsche Bahn AG, Generalbevollmächtigter Systemverbund Bahn
Sicherheit und Regulierung
Eisenbahnen verfügen im Vergleich zum Straßenverkehr und zahlreichen anderen wirtschaftlichen Aktivitäten über sehr anspruchsvolle Sicherheitsanforderungen. Diese Regeln, welche die am Markt teilnehmenden Eisenbahnverkehrsunternehmen erfüllen müssen, haben damit maßgeblichen Einfluss auf den Ablauf des Eisenbahnbetriebs. Sie wirken als eine Voraussetzung für den Zugang zur Eisenbahninfrastruktur. Ihre Erfüllung wird in Form einer Sicherheitsbescheinigung bestätigt. Damit beeinflussen sie gleichzeitig sowohl den intermodalen als auch den intramodalen Wettbewerb der Verkehrsträger.
Nachweis des betriebssicheren Zustandes für Eisenbahnbrücken
Die sichere Abwicklung des öffentlichen Verkehrs hat oberste Priorität. Das gilt für alle Verkehrsträger und damit auch für die DB AG. Im Allgemeinen Eisenbahngesetz (AEG) § 4 heißt es: „Die Eisenbahnen sind verpflichtet, ihren Betrieb sicher zu führen und die Eisenbahninfrastruktur, Fahrzeuge und Zubehör sicher zu bauen und in betriebssicheren Zustand zu halten.“
In diesem Beitrag wird das bei der DB AG praktizierte Nachweisverfahren für die Aufrechterhaltung des betriebssicheren Zustandes der Eisenbahnbrücken erläutert.
Europäische Vereinheitlichung der Zugbeeinflussung
Die Europäische Zugbeeinflussung (European Train Control System, ETCS) befindet sich in der Einführung. Sechs Hersteller liefern Ausrüstungen für Strecken und Fahrzeuge. Aber kann man sich wirklich sicher sein, dass sie auch zusammenarbeiten? Europaweit abgestimmte Tests und ein Testlabor im DLR überprüfen Interoperabilität und Konformität, bevor die neuen Züge die neuen Strecken befahren.
Sicherheitsmanagementsysteme und gemeinsame Sicherheitsmethoden für Eisenbahnunternehmen
Im April 2004 ist die Europäische Richtlinie für Eisenbahnsicherheit 2004/49/EG (im Folgenden kurz Sicherheitsrichtlinie) in Kraft getreten. Nach weitreichenden Regelungen auf Gemeinschaftsebene bezüglich der Privatisierung und Marktöffnung des Eisenbahnsektors sowie der technischen Harmonisierung für den grenzüberschreitenden Verkehr (Interoperabilität), ist diese Richtlinie aus mehreren Gründen notwendig geworden: Es galt einerseits zu verhindern, dass Sicherheit als Argument gegen die Liberalisierung benutzt wurde, und dabei anderseits das im Vergleich zu anderen Verkehrsträgern hohe Sicherheitsniveau des europäischen Eisenbahnverkehrs zu erhalten und dann, wenn möglich und sinnvoll, zu verbessern. Denn es war deutlich geworden, dass die weitere Verbesserung der Sicherheit durch technische Mittel in den zum Teil bereits hochtechnisierten Bahnen an ihre finanziellen Grenzen gestoßen war. Es war auch klar, dass die Privatisierung und Marktöffnung eine Restrukturierung der Sicherheitsverantwortung nach sich zog, die vielfach Neuland war. Und schließlich birgt eine rein technische, netzübergreifende Harmonisierung ohne Einbeziehung der jeweiligen betrieblichen Gegebenheiten eher die Gefahr eines Verlustes an Sicherheit denn einen Gewinn.
Eine praktische Risikoanalyse zur Sichtbarkeit auf Hauptsignale
Für Viele eilt Risikoanalysen ein Ruf voraus: Sie sind aufwändig, ungenau und keiner weiß so richtig, wie man sie erstellt. Zwar gibt es Normen (z.B. DIN EN 50126), die Risikoanalysen fordern, doch werden dort nur Randbedingungen und keine konkrete Vorgehensweise beschrieben. Besserung für die Zukunft verspricht die seit August 2007 probeweise gültige Richtlinie 451 „Betriebliche und technische Risikoanalysen im Bereich Bahn“ (siehe „Deine Bahn“ 12/2007 Seite 6 ff).
Wie also eine solche Analyse erstellen? Die Antwort: Durch breite Fachkenntnis des beurteilten Systems und der Systemumgebung sowie intelligentes Verknüpfen der nicht immer vollständig zu erhaltenden Detailinformationen. Zuweilen – und das ist eine zulässige, ingenieurmäßige Vorgehensweise – müssen qualitative und quantitative Angaben geschätzt werden; hierzu ist ebenfalls eine umfangreiche Fachkenntnis des Systems erforderlich.
Im Folgenden wird eine 2006 erstellte Risikoanalyse für ein praktisches Problem im Bahnsystem beschrieben. Dabei zeigt sich einmal mehr, dass hier das Wissen einer Fachsparte wie z.B. LST nicht ausreicht; vielmehr sind profunde Kenntnisse des Bahnsystems erforderlich, um solche komplexen Aufgabenstellungen zu bearbeiten.
Migration von ETCS im Netz der Deutschen Bahn
ETCS, was ist das eigentlich und warum wird das gemacht? Was vor fast 20 Jahren als Vision begann, wird heute langsam aber unaufhaltsam Realität. Die ersten Strecken sind in Europa in Betrieb und auch die Deutsche Bahn hat neben der Pilotstrecke jetzt den ersten Auftrag für die Ausrüstung einer Strecke für den kommerziellen Einsatz von ETCS vergeben. Im nachfolgenden Artikel werden die Hintergründe, neue Ansätze der Technik und die Strategie zur Einführung erläutert.
Sicherheit an Bahnübergängen: eine gemeinschaftliche Aufgabe
Mobilität wird in unserer Gesellschaft nur dann akzeptiert, wenn ihre negativen Folgen auch mit Blick auf die Verkehrssicherheit verbessert werden.
Die deutsche Verkehrssicherheitsarbeit im Straßenverkehr sieht sich dabei im Kontext zum anspruchsvollen Ziel der EU, die Zahl der Verkehrstoten bis 2010 zu halbieren. Vorhandene Sicherheitspotenziale sollen genutzt werden. Maßnahmen sind gezielt auf die Brennpunkte im Verkehrsgeschehen ausgerichtet.
Im Zuge einer langfristigen Strategie wurde dabei das Ziel gesetzt, in Schwerpunkt-Projekten Abhilfemaßnahmen zu den häufigsten Unfallursachen zu erarbeiten und umzusetzen. Wie bei einem Mosaik setzt sich die Verkehrssicherheitsarbeit aus einer Vielzahl von Einzelmaßnahmen zu einem Gesamtbild zusammen; die Sicherheit an Bahnübergängen ist eine dieser Maßnahmen.
Dieser Artikel soll dazu dienen, Hintergründe zu diesem außergewöhnlichen Bereich in unserem Verkehrsnetz zu beleuchten, auf dem zwei so unterschiedliche Verkehrsträger aufeinander treffen und bei dem bei einem Unfall zwischen beiden das Risiko getötet zu werden, für den Straßenverkehrsteilnehmer erheblich höher liegt, als im übrigen Straßennetz. Gleichzeitig zeigt er Wege auf, wie mit einem gemeinschaftlichen Ansatz von Straße“ und „Schiene“ die Verkehrssicherheit nachhaltig verbessert werden kann.