Deine Bahn 07/2014
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Editorial 07/2014
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
20 Jahre nach der Bahnreform ist der Wettbewerb im Schienenpersonennahverkehr inzwischen eine Selbstverständlichkeit: Denn seitdem obliegt es den Bundesländern, Verkehrsangebote auszuschreiben und zu vergeben, die dann von den jeweils beauftragten Eisenbahnverkehrsunternehmen auf die Schiene gebracht werden.
Mit einem Marktanteil von aktuell 74 Prozent haben sich die Nahverkehrsunternehmen der Deutschen Bahn AG insgesamt erfolgreich in diesem Marktumfeld behauptet: Allein in den vergangenen 2 Jahren gingen 32 SPNV-Netze mit einem Angebotsumfang von 120 Millionen Zugkilometern nach einer Vergabe neu in Betrieb, bis zum Jahr 2019 sollen weitere 340 Millionen Zugkilometer folgen.
In unserem Leitartikel beschreibt Dr. Manfred Rudhart, Vorstandsvorsitzender der DB Regio AG, die aktuelle Wettbewerbssituation im Nahverkehr auf der Schiene und die Belastungen, die mit der oben angesprochenen Vergabewelle der Länder für die Unternehmen und nicht zuletzt für deren Beschäftigten entstanden sind.
In weiteren Beiträgen zu unserem thematischen Schwerpunkt Personenverkehr gehen die Autoren außerdem auf den Service der fahrzeuggebundenen Einstiegshilfe für mobilitätseingeschränkte Reisende bei der DB Regio AG, auf das Veränderungsmanagement bei der DB Fernverkehr AG und auf die neue ICE-Baureihe 407 ein, die die international einsetzbare Fahrzeugflotte des Unternehmens maßgeblich erweitert.
Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen dieser oder anderer Themen.
Nahverkehr auf der Schiene: Wettbewerb im Wandel
20 Jahre nach der Bahnreform und 18 Jahre nach dem Beginn der Regionalisierung ist der Wettbewerb im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) eine Selbstverständlichkeit. Gut, dass es so ist. Ohne diesen strukturellen Neubeginn hätte der Nahverkehr auf der Schiene kaum eine erfolgreiche Zukunft gehabt. Inzwischen steht der SPNV in Deutschland vor neuen Herausforderungen. Weil die Verkehrsunternehmen immer öfter zu reinen Personaldienstleistern werden, geraten zum Nachteil der Beschäftigten die Lohnkosten und Sozialstandards in den Fokus des Wettbewerbs. Damit sind, wie Umfragen zeigen, auch die Fahrgäste nicht einverstanden.
Fahrzeuggebundene Einstiegshilfe bei der DB Regio AG
Seit Dezember 2012 können sich mobilitätseingeschränkte Reisende für die fahrzeuggebundene Einstiegshilfe im Nahverkehr der Deutschen Bahn anmelden. Die DB Regio AG bietet damit einen zielgruppenspezifischen Service an, der den gängigen Standard am Schienenpersonennahverkehrs-Markt wesentlich übertrifft.
Erste Triebzüge der Baureihe 407 im Einsatz
Endlich ist es soweit. Die ersten Triebzüge der BR 407 sind in Deutschland im Einsatz. Mit der BR 407 wird die DB Fernverkehr AG ihre Flotte der international einsetzbaren Triebzüge erheblich erweitern sowie den Betrieb nach Frankreich und Belgien stabilisieren und ausbauen können.
Wir machen Dialog
Unternehmen sind in stetigem Wandel. Wer im Wettbewerb bestehen will, muss Bereitschaft zur Veränderung zeigen – dies gilt auch für die Deutsche Bahn. Veränderungsmanagement oder „Change Management“ findet seit knapp zwei Jahren intensiv im Geschäft des Fernverkehrs statt. Es befähigt einzelne Führungskräfte, Prozesse erfolgreich umzugestalten und begleitet sie dabei. Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter zu steigern und den Kulturwandel voranzutreiben. Von Anfang an darauf zu achten, wie Veränderungen umgesetzt und kommuniziert werden, Mitarbeiter und Führungskräfte dabei ernst zu nehmen und zu beteiligen, steigert nachhaltig die Leistungsfähigkeit einer Organisation.
Wie wir in Zukunft reisen werden
Wie die Zukunft des Schienenverkehrs aussehen wird, hängt von vielen Faktoren ab. Es wird erwartet, dass sich unser Mobilitätsverhalten als Folge der wirtschaftlichen und demografischen Entwicklung komplett ändern wird. Zukünftig werden Themen wie Vernetzung, Nachhaltigkeit und mobiles Arbeiten bzw. Einkaufen eine immer wichtigere Rolle spielen. Zukunftstrends wie Urbanisierung und demografischer Wandel werden den zukünftigen Personenverkehrsmarkt genauso beeinflussen wie die vom Staat vorgegebenen Rahmenbedingungen, etwa zum Klimaschutz.
Das Smartphone: „Zündschlüssel“ der Mobilität von Morgen
Mobile Business im Verkehrssektor – das ist schon lange gängige Praxis. Bezogen auf individuelle Reiseketten – Planen einer Reise mit Auswahl der Verkehrsmittel, umfassende Verkehrsinformationen für und während der Durchführung sowie Bezahlung/Ticketing – ist das Potenzial aber längst nicht ausgeschöpft. Es existieren zahlreiche „Mobilitäts“-Insellösungen je Verkehrsträger und je Anbieter, denen eine volle regionale Abdeckung oder Vernetzung fehlt. Aber es wird an zukunftsfähigen Lösungen gearbeitet und geforscht. Dem Smartphone kommt dabei eine zentrale Rolle zu, da es stets verfügbar ist, Zugang zu Verkehrsinformationen verschafft und auch Zahlungsabwicklungen ermöglicht.
Der Schiebebetrieb im Spessart
Nach mehr als eineinhalb Jahrhunderten naht das Ende des Schiebebetriebes im Spessart zwischen Laufach und dem Schwarzkopftunnel vor Heigenbrücken. Eine 2013 begonnene, 7,5 Kilometer lange Neutrassierung des Rampenabschnittes macht das planmäßige Nachschieben von Zügen in wenigen Jahren überflüssig. Anlass genug, einen weit gefächerten Blick auf die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Strecke zu werfen.
Funktionsausbildung zum Signalmechaniker überarbeitet
Die DB Netz AG ist für den Betrieb und die Instandhaltung des größten Schienennetzes in Europa verantwortlich. Basis für den reibungslosen Betrieb ist dabei unter anderem die Leit- und Sicherungstechnik. Um die Verfügbarkeit dieser komplexen Anlagen sicherzustellen, bedarf es hoch qualifizierter Fachkräfte in der Instandhaltung. In den nächsten 15 Jahren muss die DB Netz AG mehr als die Hälfte dieser Fachkräfte aufgrund altersbedingter Abgänge ersetzen.