Auf dem Berliner EUREF-Campus werden Theorie und Praxis der Verkehrs- und Energiewende zusammengedacht. Dabei entstehen neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, wobei gemeinsam innovative Konzepte entwickelt werden. Erste Ergebnisse aus entsprechenden Kooperationsprojekten (BeMobility, Micro Smart Grid) zeigen den Erfolg. Gerade Großunternehmen wie die Deutsche Bahn profitieren von der Möglichkeit, außerhalb der eigenen Strukturen und Zwänge gemeinsam mit neuen Partnern Innovationen zu entwickeln und zu erproben.
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Hochschulen & Forschungsinstitute
Von der betrieblichen Aufgabenstellung zum sicherungstechnischen Lageplan
Die von der Professur für Verkehrssicherungstechnik der TU Dresden veranstalteten Fachtagungen der Reihe „Entwicklungen des Sicherungswesens in Theorie und Praxis“ erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit in der Fachwelt. Die letzten Tagungen beschäftigten sich dabei mit Datenhaltung für ESTW, mit Leiten und Sichern auf Nebenstrecken sowie mit der Inbetriebnahme sicherungstechnischer Anlagen. Den aktuellen Herausforderungen der Praxis folgend, wurde die Veranstaltung im November 2008 unter den Titel „Von der betrieblichen Aufgabenstellung zum sicherungstechnischen Lageplan“ gestellt.Im frühen Stadium der Infrastrukturerstellung des komplexen Systems „Bahn“, zwischen Betrieblicher Aufgabenstellung und Umsetzung in konkrete Planungen, gibt es immer wieder Reibungsverluste, deren Ursachen vielfältig sind. Im Spannungsfeld von Leistungsanforderung, diskriminierungsfreiem Netzzugang, Regelwerken und deren Interpretation durch den Planer entstehen mitunter suboptimale Lösungen. Erfahrungen und aktuelle Herausforderungen wurden von Referenten aus den betroffenen Bereichen dargestellt.
Vertragsmanagement
Das Thema Vertragsmanagement hat in den letzten Jahren in vielen Unternehmen ein wachsendes Interesse gefunden. Insbesondere durch neue Gesetze, wie beispielsweise den Sarbanes-Oxley Act, aber auch Basel II und das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG), sind Unternehmen stärker dazu gezwungen, ihre Geschäftsprozesse und Finanzdaten transparent zu gestalten beziehungsweise offen zu legen. Diese notwendige Transparenz gilt nicht nur für Großunternehmen und internationale Konzerne. Auch mittelständische und kleinere Betriebe müssen ihre Finanzsituation im Auge behalten. Wesentliche Grundlage für die Finanzdaten sind sämtliche im Unternehmen vorhandenen Verträge: Verträge mit Kunden und Lieferanten, Verträge mit Partnern und Mitarbeitern, Verträge mit Dienstleistern und verbundenen Unternehmen. Die Notwendigkeit, das Vertragsmanagement im Unternehmen effizient und transparent zu gestalten, steigt.
Lehre und Forschung zur Weiterentwicklung des Systems Bahn
Für den erfolgreichen und sicheren Betrieb des Systems Eisenbahn müssen trotz zunehmender Spezialisierung die Arbeiten unterschiedlichster Fachrichtungen auch zukünftig wie Zahnräder ineinander greifen. In diesem Beitrag wird dargelegt, wie die Lehre und Forschung des Instituts für Eisenbahnwesen und Verkehrssicherung der Technischen Universität (TU) Braunschweig diesem Systemgedanken folgen.
Disposition und Konfliktlösungsmanagement
Im Rahmen einer Forschungskooperation zwischen der Deutschen Bahn AG, der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen, der Technischen Universität (TU) Dresden und der Universität Göttingen wird innerhalb des DB-Projektes DisKon „Disposition und Konfliktlösungsmanagement“ die Laborversion eines flexiblen, modularen und automatischen Dispositionsassistenzsystems entwickelt, dessen Algorithmen dazu geeignet sind, ein betrieblich und ökonomisch optimiertes, diskriminierungsfreies Erkennen und Lösen von Konflikten im Bahnbetrieb zu unterstützen. Die Anforderungen aus Sicht der Reisenden, Transportkunden, Eisenbahnverkehrs- und -infrastrukturunternehmen sowie erste wissenschaftliche Ansätze wurden seitens der DB AG bereits vorgestellt. Das Ergebnis der Konfliktlösung durch das Dispositionsassistenzsystem ist ein konfliktfreier, fahrbarer und robuster Dispositionsfahrplan, welcher das aktuelle betriebliche Soll repräsentiert. Diskon soll den Disponenten in den Betriebszentralen der Bahn künftig in Sekundenschnelle Fahrplan-Alternativen berechnen, mit denen der Betrieb schnellstmöglich wieder an den Soll-Zustand herangeführt werden kann.
Das Projekt „DisKon“ umfasst die Komponente „ASDIS/L“ zur Belegungsdisposition und die Komponente „ANDI/L“ zur Anschlussdisposition sowie deren Integration in einem Gesamtsystem.
Europäische Vereinheitlichung der Zugbeeinflussung
Die Europäische Zugbeeinflussung (European Train Control System, ETCS) befindet sich in der Einführung. Sechs Hersteller liefern Ausrüstungen für Strecken und Fahrzeuge. Aber kann man sich wirklich sicher sein, dass sie auch zusammenarbeiten? Europaweit abgestimmte Tests und ein Testlabor im DLR überprüfen Interoperabilität und Konformität, bevor die neuen Züge die neuen Strecken befahren.
Das Institut für Bahnsysteme und Öffentlichen Verkehr
Die Ausbildung von Ingenieuren für das Eisenbahnwesen an der Fakultät Verkehrswissenschaften „Friedrich List“ der TU Dresden hat ihre akademischen Wurzeln an der Hochschule für Verkehrswesen (HfV). Im Zuge der Hochschulreformen Anfang der neunziger Jahre wurden die verkehrswissenschaftlichen Disziplinen der HfV 1992 in einer eigenen Fakultät an die TU Dresden angegliedert. Bisher hatte die Fakultät für Verkehrswesen „Friedrich List“ eine überwiegend verkehrsträgerübergreifende, an klassischen Disziplinen orientierte Institutsstruktur (z.B. das Institut für Verkehrsanlagen mit der Professur für Gestaltung von Straßenverkehrsanlagen und der Professur für Gestaltung von Bahnanlagen). Mit Jahresbeginn 2007 wurden die Institute in ihrer alten Zusammensetzung aufgelöst und durch eine integrative Struktur ersetzt, die die Professuren stärker als bisher Verkehrsträgern und Verkehrssektoren zuordnet. Vor allem im Bahnwesen besteht dadurch die Möglichkeit, besser auf die zu lösenden Aufgaben des komplexen Systems Bahn zu fokussieren. Außerdem wird die Nutzung gemeinsamer Ressourcen, wie z.B. des Integrierten Eisenbahnlabors, optimiert. Für die technischen und betrieblichen Fragen des Eisenbahnwesens sind seitdem das Institut für Bahnsysteme und Öffentlichen Verkehr sowie das Institut für Bahnfahrzeuge und Bahntechnik zuständig. In diesem Beitrag wird das Institut für Bahnsysteme und Öffentlichen Verkehr vorgestellt, das sich mit baulicher und ausrüstungstechnischer Infrastruktur und dem Betrieb von spurgeführten und liniengebundenen Verkehrssystemen beschäftigt.
TU Berlin: Ganzheitliche Betrachtung des Systems Schienenverkehr
Warum ist der Schienenfahrweg so teuer? Warum fahren Züge auf Signale? Wie kann mehr Verkehr auf die umweltfreundliche Schiene verlagert werden? Dies sind Fragen, mit denen sich das Fachgebiet Schienenfahrwege und Bahnbetrieb (FG SFWBB) der Technischen Universität Berlin in Forschung und Lehre beschäftigt. Das Fachgebiet ist angesiedelt im Institut für Land- und Seeverkehr (ILS) der Fakultät V Verkehrs- und Maschinensysteme. Damit wird bereits deutlich, dass der Systemgedanke im Vordergrund steht.
Das FG SFWBB war von 1997 bis 2002 eine Stiftungsprofessur der DB AG, die damit für einen guten Start nach langer Vakanz der Professur gesorgt hat. Heute fördert die DB AG am Fachgebiet eine Stelle für einen wissenschaftlichen Mitarbeiter mit dem Ziel der Promotion. Insgesamt zählt das Team 16 Personen. Darüber hinaus wird zahlreichen Studierenden die Möglichkeit zur Mitarbeit an Forschungsprojekten eröffnet, was für diese eine studiennahe Möglichkeit bedeutet, ihr Studium zu finanzieren und erste Praxiserfahrungen zu sammeln.
Zum FG gehören ein Prüflabor für Fahrwegkomponenten sowie ein Lehrstellwerk (gekoppelt mit einer Modelleisenbahn) und Außenanlagen mit Signal-, Stellwerks- und Oberbauanlagen zur praktischen Vermittlung von Lehrinhalten.