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In Kürze

Lokführer-Mangel: Baden-Württemberg qualifiziert Geflüchtete in einem Modellprojekt

Ein Triebzug von Abellio in Stuttgart mit leerem Führerstand
Zug von Abellio im Stuttgarter Netz: Für EVU im Südwesten gestaltet sich die Suche nach Fahrpersonal besonders schwierig (Foto: Abellio)

Der Arbeitsmarkt für Triebfahrzeugführer ist leergefegt, darunter leiden Eisenbahnverkehrsunternehmen und Kunden, da Fahrten ausfallen oder durch Busverkehre ersetzt werden müssen. Das Bundesland Baden-Württemberg geht nun neue Wege, um dem Fachkräftemangel zu begegnen.

Im Frühjahr hat das Landesverkehrs­ministerium ein Projekt ins Leben gerufen, dass Geflüchtete mit geklärtem Aufenthaltsstatus in 15 Monaten zu Lokführern ausbildet. Die ersten Teilnehmer haben im Sommer mit der Ausbildung bei der Stuttgarter S-Bahn begonnen, im Oktober folgen weitere 15 Auszubildende bei der Albtal-Verkehrsgesellschaft in Karlsruhe.

Umgesetzt wird das Projekt in Kooperation mit der Bundesarbeitsagentur (BA), dem Bundesamt für Migration (BAMF), Gewerkschaften und mehreren Verkehrsunternehmen. DB Regio und die Wettbewerber GoAhead und Abellio, die in diesem Jahr die Bedienung der ­Regionalverbindungen von und zur Landeshauptstadt Stuttgart übernehmen, sind gleichermaßen vom Lokführermangel betroffen. Verschärft wird die Situation im Südwesten durch die hohen Löhne und attraktiven Arbeitsplätze im Industrie- und Dienstleistungssektor, zumal in der Region quasi Vollbeschäftigung herrscht.

Das Projekt spricht anerkannte Asyl­bewerber und Geflüchtete mit Aufenthaltsgenehmigung an, die über Deutschkenntnisse, einen Schulabschluss und technische Vorbildung verfügen. Für die Ausbildung werden die Teilnehmer bei den Verkehrsunternehmen als Helfer angestellt, zu einem Bruttogehalt, das über der durchschnittlichen Ausbildungsvergütung liegt. Die Differenz zahlt die BA, das BAMF finanziert Sprachkurse. Bis August sind etwa 200 Bewerbungen eingegangen. Laut Angaben der zuständigen Regionaldirektion der BA ist das Potenzial an einheimischen Erwerbslosen, die für die Ausbildung in Frage kommen, so gut wie ausgeschöpft. Dagegen gebe es in Baden-Württemberg rund 44.000 arbeitsuchende Geflüchtete.

Bundesweit waren im 1. Halbjahr 2019 bei der BA 313 arbeitslose Lokführer registriert, dem standen 2.112 gemeldete offene Stellen gegenüber. Bahngewerkschaften gehen von einem Bedarf von mehr als 1.000 Triebfahrzeugführern allein bei der Deutschen Bahn aus. Auch der Konzern wird auf der Suche nach Fachkräften kreativ: Mitte August startete eine siebenwöchige Casting-Tour, die durch 27 deutsche Städte führt. Dabei kommen drei Wohnwagen zum Einsatz, die zu mobilen Rekrutierungsbüros umgebaut wurden. Interessenten können sich über Bahnberufe informieren und Bewerbungs­gespräche führen. Im Fokus stehen operative, technische und Serviceberufe. Im Rahmen der Strategie „Starke Schiene“ will die DB in den kommenden Jahren bis zu 100.000 Mitarbeiter einstellen.

(27.08.2019)

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