
Die Transformation des straßengebundenen öffentlichen Verkehrs ist ein zentraler Bestandteil der Verkehrswende, um Mobilität klimafreundlich, effizient und ressourcenschonend zu gestalten. Das zeigt die Entwicklung der Fachmesse und Konferenz mobility move, die im März in Berlin stattfand und mit 1.600 Teilnehmenden sowie über 100 Ausstellern neue Höchststände erreichte.
Vom 10. bis zum 12. März diskutierten in der Bundeshauptstadt Fachleute aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft über die Zukunft von Bus, Infrastruktur und Digitalisierung. 110 Aussteller präsentierten parallel ihre Innovationen bei E-Bussen und beim Autonomen Fahren in 3 Hallen auf 7.500 Quadratmetern.
Auf fünf Fachforen wurden die zentralen Transformationsfelder des straßengebundenen öffentlichen Verkehrs gebündelt und Projekte, Technologien sowie Geschäftsmodelle diskutiert: Lade- und Tankeinrichtungen sowie Batterie-Technologien, Digitalisierung und KI, Infrastruktur-Modernisierung und die Digitalisierung des Vertriebs standen unter anderem auf der Agenda der mobility move. Die Fachmesse und Konferenz ist eine Initiative vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und der Versicherung DEVK und wird vom Forum für Verkehr und Logistik und der VDV-Akademie organisiert.
Politisches Zeichen für den öffentlichen Verkehr
Mit seinem verkehrspolitischen Grußwort und einem anschließenden Messerundgang setzte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder ein politisches Zeichen für die Bedeutung des öffentlichen Verkehrs für Wirtschaft und Gemeinwohl. „Dass wir die Teilnehmendenzahlen in 16 Jahren verzwanzigfachen konnten und heute einen solchen Ansturm erleben, zeigt: Die Relevanz ist da. Der öffentliche Verkehr ist kein Luxus, er ist zentrale Daseinsfürsorge, Teil unserer wirtschaftlichen Basis im Land – und mehr denn je angewiesen auf Verlässlichkeit, Finanzierung und Fachkräfte“, sagte VDV-Präsident Ingo Wortmann auf der Eröffnung.
Die Erfolgsgeschichte der mobility move ist eng mit der technologischen Entwicklung von E-Bussen und der staatlichen Förderung für die so genannte Antriebswende verknüpft: Inzwischen hat sich die Elektromobilität gerade beim Stadtbus stark ausgeweitet und macht bereits 50 Prozent der Neuanschaffungen (inklusive Wasserstoff-Elektromobilität) aus – weitaus mehr, als das beim Automobil (20 Prozent) oder gar beim Lkw (6 Prozent) der Fall ist.
Nach einem defacto-Förderstopp 2024 schien diese Erfolgsgeschichte kurzzeitig in Frage zu stehen. Inzwischen hat der Bund die Planungssicherheit für Elektrifizierungsprojekte und die damit verbundene Dekarbonisierung der Busflotten aber wiederhergestellt. 420 Millionen Euro schüttet er an die Verkehrsunternehmen für die Anschaffung von knapp 2.000 Bussen und der dazu gehörenden Lade- und Betriebshof-Infrastruktur aus.

Modernisierungspakt soll starten
Der VDV hat das neue E-Bus-Programm ausdrücklich begrüßt, gleichzeitig aber auch die Erwartung geäußert, dass im laufenden Jahr ein weiterer Förderaufruf von Seiten des Bundes mit einem Schwerpunkt auf Ladeinfrastruktur gestartet wird – ebenso wie der im Koalitionsvertrag der Bundesregierung angekündigte Modernisierungspakt für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV).
Die Branche sieht in der begonnenen vierten Änderung des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG) einen zentralen Hebel, um den Pakt zu starten. Es brauche jetzt „Verlässlichkeit bei Finanzierung und Rahmenbedingungen“, forderte VDV-Chef Ingo Wortmann.
Fachkräftemangel bleibt bestehen
Auf der mobility move 2026 wurde auch deutlich, dass der Fachkräftemangel die Branche weiter stark beschäftigt: Bundesweit fehlen bereits heute zehntausende Busfahrer*innen. Bis 2030 werden jährlich viele tausende Mitarbeitende im Fahrdienst altersbedingt ausscheiden, sodass Qualitätsverluste und Angebotskürzungen drohen.
Die Messe griff diese strukturelle Herausforderung gezielt auf und thematisierte in diesem Zusammenhang unter anderem digitale Rekrutierungsansätze, internationale Fachkräftegewinnung, moderne Arbeitsbedingungen und geeignete politische Rahmenbedingungen.
Mit dem bundesweiten Wettbewerb „LieblingsbusfahrerIn“ rücken darüber hinaus der Fahrgastverband PRO BAHN, DB Regio und VDV rund 100.000 Busfahrer*innen von öffentlichen Unternehmen und privaten Busbetreibern im Nah- sowie Fernbusverkehr öffentlichkeitswirksam in den Mittelpunkt und drücken ihre Wertschätzung für diesen wichtigen Beruf aus. Der Tenor dabei: Die Sicherung von Personal ist nicht nur betriebliche Aufgabe, sondern eine zentrale verkehrs- und arbeitsmarktpolitische Weichenstellung.
Bis zum 31. Mai sind Fahrgäste aus ganz Deutschland aufgerufen, auf www.lieblingsbusfahrerin.de über positive Reiseerlebnisse zu berichten und ihr Votum abzugeben.

BFV kooperiert mit VDV-Akademie
Auch der Bahn Fachverlag (BFV) trägt aktiv zur Gewinnung, Bindung und Qualifizierung von Fachkräften in der straßengebundenen Mobilitätsbranche bei:
Mit dem neuen ÖPNV-Fachbuch „Systemwissen Städtischer und Regionaler Busverkehr“ haben der Verlag und die Branche zur mobility move ein Grundlagenwerk zum Gesamtsystem Bus vorgelegt – von Fahrzeugen und Infrastruktur über Betriebsformen und Planung bis hin zu rechtlichen Rahmenbedingungen und Tätigkeitsprofilen.
Das in Kooperation mit dem VDV erstellte Fachbuch richtet sich an Fach- und Führungskräfte sowie Verantwortliche für Aus- und Weiterbildungsprogramme in Verkehrsunternehmen. Es verbindet Praxiswissen mit aktuellen technischen Standards und Regelwerken.
Darüber hinaus entwickeln VDV-Akademie und Bahn Fachverlag derzeit Digitale Lerneinheiten, mit denen sich die Inhalte des Fachbuchs im Selbststudium angeeignet und vertieft werden können.
Auf der mobility move stellten die beiden Kooperationspartner eine Demo-Version zu einer Lerneinheit vor, die unter www.mobilitaetswissen.de gratis abrufbar ist. Dort können sich Interessierte außerdem für einen Newsletter anmelden, mit dem sie sich über neue Produkte und den Fortgang der Kooperation auf dem Laufenden halten können.
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