
Die Bahn steht mächtig unter Druck. Zwar schreitet die Erneuerung der Infrastruktur voran. Bis das Reisen mit dem Zug wieder zu 100 Prozent zuverlässig läuft, wird es jedoch noch einige Jahre dauern. Umso wichtiger ist es, dass wir den Reisenden schon heute spürbare Verbesserungen entlang ihrer Reisekette bieten. Unsere Bahnhöfe bieten hier eine ganz besondere Chance.
Durch die Modernisierung von Empfangsgebäuden, Bahnsteigen und Vorplätzen können wir für die Menschen sichtbare Effekte erzielen, die ihr tägliches Bahnerlebnis ganz unmittelbar aufwerten. Deshalb haben wir unser Programm zur ganzheitlichen Modernisierung der Bahnhöfe in den letzten 12 Monaten weiter professionalisiert und mit aller Kraft vorangetrieben. Davon profitieren nicht nur die Reisenden. Auch die Bürger*innen einer Kommunen gewinnen, wenn sie wieder stolz sein können auf ihren Bahnhof.
Bahnhöfe als fester Teil der „Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene“
2024 hatten wir mit dem Bund ein gemeinsames Zielbild für die ganzheitliche Entwicklung der Bahnhöfe verabschiedet. Den Kern bilden einheitliche Standards für alle relevanten Leistungsbereiche eines Bahnhofs: vom Zustand der baulichen Substanz, der Ausstattung mit Mobiliar und Reisendeninformation, der Barrierefreiheit, über den Zustand technischer Anlagen wie Aufzüge und Fahrtreppen, bis hin zur Ertüchtigung von Vorplatz und Anschlussmobilität gemeinsam mit den Kommunen.
Mit der „Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene“ hat uns das Bundesverkehrsministerium die konsequente Umsetzung dieses Zielbilds im Herbst 2025 ins Hausaufgabenheft geschrieben. Und wir haben weiter die Ärmel hochgekrempelt: 243 Bahnhöfe hatten wir Ende 2025 nach neuem Zielbild modernisiert. Im September 2026 steht der Zähler bereits auf über 300 Bahnhöfen. Darauf sind wir stolz.
Regionale Teams machen Tempo bei der Modernisierung
Als zentrales Programm gestartet, ist die ganzheitliche Modernisierung der Bahnhöfe mittlerweile fest in den Regionen verankert. Die Umsetzung hat damit weiter an Fahrt aufgenommen. Regionale Bauteams steuern die integrierte Umsetzung vor Ort. Sie arbeiten eng mit den Teams für die Korridorsanierung zusammen, die an Bahnhöfen entlang der Korridore eine Vielzahl der Arbeiten für die Stationen mit erledigen.
Gleichzeitig hat jeder Regionalbereich ein regionales Design-Team aufgebaut, das gemeinsam mit den Bahnhofsmanagements, dem Denkmalschutz und den Kommunen den regionalen Charakter der Bahnhöfe herausarbeitet. Dabei setzen sie auf einem breiten Design-Baukasten auf, der zentral bereitgestellt wird. Und dieser wächst mit jeder Umsetzung weiter.
Das schafft Mehrwert: So kommt der farbenfrohe Fliesenspiegel aus der Personenunterführung des Allgäuer Bahnhofs Wangen jetzt auch an den Bahnhof Stelle in Niedersachen. Oder die tolle Wandgestaltung des Hamburger Bahnhofs Nettelnburg prägt in lokaler Adaption die Bahnhöfe zwischen München und Rosenheim. An dem ambitionierten Umsetzungshochlauf in hoher Qualität halten wir fest: Mindestens 130 Bahnhöfe wollen wir pro Jahr modernisieren.

Länder, Aufgabenträger und Kommunen als Partner fest im Boot
Länder, Aufgabenträger und Kommunen unterstützen den Angang sehr. Denn jeder modernisierte Bahnhof ist am Ende das Ergebnis eines Finanzierungsmixes aus Mitteln von Bund, Land und Kommune. Während wir das Portfolio für die ersten Umsetzungsjahre noch stark an der kurzfristigen Machbarkeit ausgerichtet haben, stehen wir für die Modernisierungsvorhaben in den nächsten 10 Jahren in engem Austausch mit unseren Partnern bzw. bauen diesen aus, um die Kräfte zu bündeln und unsere Prioritäten übereinander zu legen.
Davon profitieren vor allem die Menschen vor Ort: So konnten mehr als 80 Prozent der in 2024 und 2025 modernisierten Bahnhöfe bereits eine ganzheitlich entwickelte Vorplatz-Situation vorweisen: Mit guter ÖV-Anbindung, ausreichend Fahrrad- und Autoparken, Mikro- und Sharing-Mobilität – je nach Größe des Bahnhofs – aber auch einer klaren Strukturierung und guter Ausleuchtung, Grünelementen und Aufenthaltsqualität. Die Kompetenzstelle Vorplatz und Anschlussmobilität unterstützt Kommunen dabei, Flächen bereitzustellen und passende Fördertöpfe für umfassendere Maßnahmen zu akquirieren.

Empfangsgebäude wieder in Ordnung bringen
In den letzten Jahren sind wir auch deshalb so schnell vorangekommen, weil wir verhältnismäßig viele kleine Bahnhöfe modernisiert haben. Sie sind weniger komplex und waren vielfach schon für Erneuerungsmaßnahmen eingeplant, auf die wir fehlende Bausteine zum Zielbild noch recht kurzfristig aufgesattelt haben. Ab jetzt wollen wir aber auch bei der Modernisierung der Empfangsgebäude Strecke machen.

Mit der Novellierung des Bundesschienenwegeausbaugesetzes hat der Bund 2024 dafür die Voraussetzungen geschaffen: Empfangsgebäude sind seither fester Bestandteil der Schieneninfrastruktur und können mit Bundesmitteln ganzheitlich ertüchtigt werden.

Bei uns sind daher die Planungen angelaufen, in den nächsten Jahren weit mehr als 80 Empfangsgebäude auf den Weg für eine ganzheitliche Modernisierung und in Nutzung für Reisezwecke, aber auch kommunale Belange vor Ort zu bringen. Denn die oft historischen Gebäude prägen ganz entscheidend den kommunalen Charakter. Sie sind Visitenkarte der Bürgerschaft vor Ort. Wir wollen diese Gebäude wieder in Ordnung bringen, damit die Menschen vor Ort wieder stolz auf ihren Bahnhof und ihre Bahn sein können.
Sauberkeit und Sicherheit entscheidend für Akzeptanz der Reisenden
Doch alleine eine modernisierte Grundsubstanz mit einer zeitgemäßen Ausstattung reichen nicht aus, um bei den Reisenden zu punkten. Aus unseren Kundenbefragungen wissen wir, dass viele Menschen mit der Sauberkeit und Sicherheit an den Bahnhöfen noch nicht zufrieden sind. Ein modernisierter Bahnhof kommt nicht zur Geltung, wenn er im täglichen Betrieb nicht gepflegt wird.
Die wachsenden sozialen Spannungen im öffentlichen Raum gepaart mit einem steigenden Maß an Vandalismus stellen für uns eine zusätzliche Herausforderung dar, den Erwartungen der Reisenden gerecht zu werden. Doch wir geben uns nicht geschlagen. Auch für den Betrieb unserer Bahnhöfe haben wir uns neue Standards gesetzt.
Mit der „Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene“ haben die betrieblichen Themen noch einen zusätzlichen Schub bekommen: Mehr als 50 Millionen Euro investieren wir im Rahmen des Sofortprogramms für Sicherheit und Sauberkeit an den Bahnhöfen zusätzlich in diesem Jahr: An Top-Bahnhöfen mit besonderer Deliktlage setzen wir mehr Sicherheitspersonale zur Bestreifung ein.

Gleichzeitig haben wir die Zusammenarbeit mit unseren Partnern bei der Bundes- und Landespolizei sowie mit den kommunalen Ordnungsämtern ausgeweitet, die in so genannten Quattro-Streifen die Bahnhöfe im Blick halten. Gemeinsam finden zudem Sicherheitskonferenzen und vor-Ort-Begehungen statt, um Problemecken an den Bahnhöfen zu identifizieren und abzustellen.
Für kleinere Bahnhöfe haben wir ein neues Videoüberwachungs-Modul entwickelt, das wir aktuell pilotieren. Und ganz wichtig: Unsere operativen Mitarbeitenden statten wir auf Wunsch mit Bodycams, Taschenalarm und Abwehrspray aus. Denn ihr Schutz und Wohlbefinden haben unsere oberste Priorität.
Frühjahrsputz an 1.400 Bahnhöfen bundesweit
Ein ganz besonderes Augenmerk legen wir im Rahmen des Sofortprogramms auf die Verbesserung der Sauberkeit an unseren Bahnhöfen. Wir haben mehr Präsenzreinigung und mobile Reinigungsteams im Einsatz. Jedes der 44 Bahnhofsmanagements bundesweit hat eine Handwerkerkolonne aufgebaut, die schnell und flexibel kleinere Reparaturen sowie die Beseitigung von Vandalismus erledigen kann.

Und ganz besonderes Highlight: Mehr als 1.400 Bahnhöfe haben wir in diesem Jahr einem rundum-Frühjahrsputz unterzogen – das sind doppelt so viele Frühjahrsputze wie im Jahr zuvor. Wir haben Fenster und Glasflächen gereinigt, Taubendreck und Kaugummirückstände entfernt, Schrotträder abtransportiert und Grünflächen wieder hergerichtet. Mieter und kommunale Partner beteiligten sich umfassend an der Aktion.
Auf dem richtigen Weg
In der Öffentlichkeit kommt all das sehr gut an: Es gibt auch mal wieder Lob für uns bei der Bahn. Das ist ein sehr wichtiges Signal für unsere Mitarbeitenden – gerade im operativen Geschäft. Sie legen sich jeden Tag nach Kräften für unsere Kund*innen ins Zeug und stehen oft an aller erster Front im Kreuzfeuer, wenn die Qualität von Infrastruktur und Bahnbetrieb nicht stimmt.
Und das positive Feedback bestärkt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wenn wir diesen Kurs gemeinsam halten, können wir mit den Bahnhöfen dazu beitragen, dass mehr und mehr Menschen im Land das Vertrauen in die Bahn zurückgewinnen. Dafür treten wir an.
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