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Verkehrswende

Fahrradparken am Bahnhof

Foto: DB AG/Bartlomiej Banaszak

Fahrverbote vermeiden, CO2- und NOx-Emissionen senken, Verkehrsprobleme lösen: Die systematische Verknüpfung von Fahrrad und Bahn ist eine Antwort auf die Herausforderungen der Verkehrswende.

Die Verbesserung der Abstellsituation für Fahrräder am Bahnhof ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass mehr Menschen das Fahrrad als Zubringer zum Bahnhof nutzen, die Kombination Fahrrad und Bahn statt des individuellen Pkw bevorzugen und damit die Umwelt schonen. Ziel ist es, Menschen in ihrem Alltag zu motivieren, zum Beispiel auf ihrem Arbeitsweg vom Pkw auf die umweltschonende Kombination von Fahrrad und Bahn umzusteigen. Entsprechende, nutzergerechte und nachfrageorientierte Abstellanlagen für Fahrräder spielen dabei eine Schlüsselrolle.

Übersicht der Initiativen Fahrradparken am Bahnhof (PDF, Quelle: DB AG)

Die DB Station&Service AG ist der größte Bahnhofsbetreiber Europas. Neben dem Kerngeschäft – der Entwicklung und dem Betrieb von Bahnhöfen – vereint das Geschäftsfeld vielfältige mobilitätsorientierte Dienstleistungen am Bahnhof. Hierzu gehört auch die Verknüpfung der Bahnhöfe an den fahrradfahrenden Verkehr. Dabei ist aktuell festzuhalten, dass DB Station&Service heute keinen politischen Auftrag für den Bau und Betrieb von Fahrradparkanlagen hat und somit hierfür auch nicht finanziert wird.

Gleichwohl sind Bahnhöfe das Bindeglied zwischen Kommunen und dem System Bahn und müssen daher eine Schnittstellenfunktion einnehmen. Neben den Kommunen, welche heute für den ruhenden Verkehr zuständig sind, gibt es viele unterschiedliche Akteure, die es gilt einzubeziehen, um erfolgreich Fahrradparkanlagen an Bahnhöfen zu schaffen. Dabei gilt es Antworten auf Fragen des Betriebs, Flächenknappheit gerade in Ballungszentren und der Finanzierung zu finden.

Um das Thema Fahrradparken weiter zu entwickeln, ist DB Station&Service aktuell in drei Initiativen aktiv:

1. Bike+Ride-Offensive des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit und DB Station&Service mit bis zu 100.000 neuen Fahrradabstellplätzen bis 2022

2. Wissenschaftliche Beratung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur im Rahmen der Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie (MKS) zum Thema „Fahrradparken an Bahnhöfen“

3. Dialogprojekt „Fahr-Rad-zum-Zug“ der Allianz pro Schiene

Bike+Ride-Offensive

Im November 2018 startete DB Station&Service gemeinsam mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) ihre Bike+Ride-Offensive. Bis 2022 sollen bundesweit bis zu 100.000 neue Radstellplätze entstehen, um Autofahrer auf den Umstieg Rad+Bahn zu locken.

Zurzeit laden 400.000 Radstellplätze dazu ein, die erste und letzte Meile mit dem Rad zurückzulegen und bequem in der Bahn an den Staus der Zufahrtstraßen vorbeizufahren. Um die Zahl der Abstellplätze zu erhöhen, haben das BMU und DB Station&Service eine Kooperation geschlossen. Über die Kommunalrichtlinie der Nationalen Klimaschutzinitiative werden 40 Prozent der Projektkosten übernommen; die Kommunen tragen 60 Prozent, können aber weitere Förderprogramme integrieren.

DB Station&Service stellt den Kommunen mietfrei Flächen zur Verfügung, unterstützt sie bei der Planung, ihren Förderanträgen, koordiniert Lieferung und Montage und übernimmt gerne im Auftrag auch den Betrieb der Anlagen. Um diesen schnellen Zuwachs zu stemmen, konzentriert sich die Bike+Ride-Offensive auf drei Standard-Anlagentypen. Die preiswerte Bügelanlage hilft schnell bei knappem Budget und ausreichend Fläche. Die Doppelstock-Anlage bewährt sich bei knapper Fläche, großer Nachfrage und dem mittleren Geldbeutel. Beide Anlagen werden montagefertig angeliefert und müssen lediglich im Boden verschraubt werden. Die Sammelschließanlage für gehobene Ansprüche, eine per App abschließbare Fahrradgarage, ist eine smarte und überdachte Kombination aus Schutz, Flächeneffizienz und Komfort, sodass auch teure Fahrräder sorgenlos geparkt werden können. DB Station&Service hat dazu EU-weit im offenen Verfahren einen Rahmenvertrag ausgeschrieben, um günstige Preise und maximalen Service bei geringem eigenen Aufwand zu bieten.

Sowohl das BMU als auch DB Station&Service freuen sich darauf, das Thema Fahrradparken nun einen großen Schritt voranzubringen. Gerade zu Zeiten von Dieselkrise und größer werdendem Umweltbewusstsein bietet die Kombination von Fahrrad und Zug eine willkommene Alternative. Nun liegt es an den Kommunen, das von BMU und DB Station&Service geschnürte Angebot zu nutzen und gemeinsam die Bahnhöfe vor Ort mit neuen Fahrradparkanlagen auszurüsten. Weitere Informationen sind auf der Internetseite der Bike+Ride-Offensive zu finden.

Die Bike+Ride-Offensive an Bahnhöfen (PDF, Quelle: DB AG)

Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie

DB Station&Service beteiligt sich an einer wissenschaftlichen Beratung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) zur Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie (MKS) des Bundes mit dem Ziel, nachhaltig effektive Lösungen für das Fahrradparken an Bahnhöfen zu finden. Gemeinsam mit der PTV AG, Agentur Bahnstadt und dem Fraunhofer Institut werden Handlungsempfehlungen insbesondere zur Finanzierung und Förderung, aber auch für den Bau und Betrieb von Fahrradabstellanlagen und Fahrradparkhäusern erarbeitet.

Aufgrund regional unterschiedlicher Ausbaustrategien und Finanzierungsstrukturen ist ein Austausch mit regionalen Akteuren unerlässlich. In sieben großen S-Bahnregionen wurden Workshops mit relevanten Akteuren von Kommunen, Aufgabenträgern, Ländern und Betreibern von Bike+Ride-Anlagen (B+R-Anlagen) durchgeführt. In den Workshops wurde deutlich, dass die verantwortlichen Akteure vor Ort regional sehr unterschiedliche Ausbaustrategien und Betriebskonzepte verfolgen. Die landespezifischen Förderstrukturen können darüber hinaus einen erfolgreichen Ausbau von B+R-Anlagen maßgeblich beeinflussen.

Den regionalen Workshops war eine Umfrage unter allen Aufgabenträgern vorausgegangen, welche wertvolle Einblicke in den bestehenden Umfang an Fahrradabstellanlagen und besonderen Projekten gab. Die Sammlung von Best Practice-Beispielen ermöglicht es, Vorschläge zu bundeseinheitlichen Standards bezüglich Förderung, Bau und Betrieb zu formulieren und bestehende Hindernisse zu benennen. Im Rahmen eines Fachworkshops werden die Ergebnisse der Studie voraussichtlich im Sommer vorgestellt.

Die MKS-Studie Fahrradparken am Bahnhof (PDF, Quelle: DB AG)

Dialogprojekt „Fahr-Rad-zum-Zug“ der Allianz pro Schiene

Für eine spürbare Verbesserung des Fahrradparkens am Bahnhof ist eine Überwindung von vielen Hindernissen notwendig, die durch einen Dialog und eine bessere Zusammenarbeit mehrerer Akteure aus der Praxis erreicht werden kann. Deshalb wird ein solcher Dialog unter der Federführung des unabhängigen und gemeinnützigen Verbandes Allianz pro Schiene und DB Station&Service als Kooperationspartner in mehreren Workshops geführt. Zum Dialog werden eingeladen:

  • Die Akteure des Schienenverkehrs: Eisenbahn- und Schienenverkehrsunternehmen sowie Aufgabenträger des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV)
  • Die Kommunen
  • Die Verbände der Rad-, Bahn- und Autofahrenden
  • Politische Entscheider
  • Vertreter der Wissenschaft, relevanter Forschung und Wirtschaft

Das Dialogprojekt Fahr-Rad-zum-Zug (PDF) (Quelle: Allianz pro Schiene)

Im Dialog werden gemeinsam Wege zur Überwindung der Hindernisse gesucht, um Bahnhöfe als Drehscheiben der umweltfreundlichen Mobilität weiter zu entwickeln. Durch den Dialog und einen direkten Austausch zu konkreten Fragestellungen werden Informationsdefizite reduziert, Barrieren abgebaut und eine bessere Verständigung der Akteure erreicht.Der Austausch soll das Problembewusstsein bei den Handelnden schärfen. Anstrengungen zentraler Akteure und Initiativen sollen vernetzt werden, um sie zu einem schnelleren Fortschritt zu bewegen. Erkenntnisse aus der Praxis sollen in den Dialog mit einfließen. Lösungen zu einer schnelleren und dauerhaften Verbesserung der Parksituation für Fahrräder an Bahnhöfen werden erarbeitet, diskutiert und kommuniziert.

Auch geeignete Modelle für die Finanzierung der Investitionen und Betriebskosten werden projektübergreifend mit der MKS-Studie diskutiert, zum Beispiel die Regelung des Betriebs, der Finanzierung, der Zuständigkeiten, der Grundstücksnutzung und der Instandhaltung für Fahrradabstellanlagen. Der Dialog wird praxisbezogen anhand von konkreten Beispielen geführt. Dazu werden drei Bahnhöfe ausgewählt:

  • ein kleinerer Flächenbahnhof,
  • ein hoch frequentierter städtischer Bahnhof und
  • ein regionaler Knoten-Bahnhof in einer größeren oder mittelgroßen Stadt.

Im Dialog werden konkrete, aber auch gleichzeitig übertragbare Lösungen beleuchtet. Relevante Erkenntnisse aus früheren Projekten des Nationalen Radverkehrsplans (NRVP), weiteren Projekten und Hinweise aus guten Beispielen im In- und Ausland werden aufgegriffen, vorgestellt und diskutiert. Zwar gibt es zu dem Thema Fahrradabstellanlagen einige Studien, Forschungsprojekte und Ausarbeitungen, die Überprüfung auf die Praxistauglichkeit wurde bislang aber vernachlässigt, ebenso der Dialog zwischen den Praktikern.

Auch internationale Erfahrungen und gute Praxis aus dem Ausland werden in das Projekt einbezogen und relevante Praxisbeispiele aus Ländern wie die Niederlande oder Dänemark werden in den Workshops vorgestellt (zum Beispiel in Vorträgen). Die Übertragbarkeit dieser guten Praxis auf Deutschland wird diskutiert.

Die Ergebnisse des Dialogs werden ausgewertet und als Empfehlungen in einer Publikation am Projektende zusammengefasst. Diese wird gezielt den Entscheidungsträgern zur Verfügung gestellt, um auch im Anschluss an das Projekt den Austausch fortzusetzen und intensivieren. Die Empfehlungen werden auch der Fachöffentlichkeit und Medien zur Verfügung gestellt, um die erforderliche Präsenz in der Öffentlichkeit zu schaffen.

 


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